Meine Texte zum Nachlesen:

Innere Heilung, Teil 1: Bittere Tränen

Ich liege entspannt auf einer Liege
und versuche, mich zu erinnern.
Eine gute Freundin hält meinen Kopf
in ihren Händen.
Durch ihr Trommeln bin ich
ganz weich und empfindsam.
Dann sehe ich mich,
den kleinen Lothar,
drei Jahre alt,
wie er verzweifelt versucht,
mit dem klarzukommen,
was er eben erleben musste:
sein Papa hat ihn brutal vergewaltigt.
Der kleine Lothar hat Schmerzen
und ist total verwirrt.
Er sehnt sich nach seiner Mutter,
aber die Mutti ist nicht bei ihm.
Mama, wo bist Du?
Mama, komm und hilf mir!
Der kleine Lothar fühlt sich hilflos
und ist allein.
Er fühlt sich unendlich
einsam und alleingelassen.
Und dann brechen die Tränen
aus mir heraus.
Erst schlucke und atme ich schwer.
Dann schluchze ich plötzlich
laut und verzweifelt.
Meine Tränen fließen.
Mami, wo bist Du?
Mama, warum hilfst Du mir nicht?
Der kleine Lothar kann die Welt
nicht mehr verstehen.
Und warum hilft ihm die Mama nicht
in dieser schweren Stunde?
Meine Tränen laufen und laufen,
rinnen herab wie Zeit…

Der Schmerz scheint mich zu zerreißen.
Der kleine Lothar ist unendlich verzweifelt.
Mama, wo bist Du bloß?
Warum beschützt Du mich nicht?
Komm, und hilf mir doch…
Aber der kleine Lothar bleibt
mit seinem Schmerz allein.
Die Mama ist nicht bei ihm,
um ihn zu trösten.
Er fühlt sich so einsam und verlassen.
Ich kann seine Schmerzen,
sein Verlassen-Sein
und die Einsamkeit spüren.
Ich heule Rotz und Wasser,
gebe mich ganz dem Schmerz hin.
Mama, komm und hilf mir,
hilf mir doch!
Die Gefühle des kleinen Lothar
kann ich greifen und spüren,
so, wie noch nie.
Noch nie bin ich soweit
in meiner Kindheit zurückgegangen,
noch nie habe ich diesen Schmerz
und diese Trauer so tief empfunden.
Noch nie habe ich mich so gehen lassen,
noch nie habe ich so doll geweint…

Nach einer Weile lassen die Gefühle nach,
ebben langsam ab.
Ich ringe nach Luft,
erhole mich ganz langsam,
komme wieder zu mir.
Ich bin unendlich froh und dankbar,
dass ich so tief
in meine Vergangenheit eintauchen konnte,
dass ich diesen Schmerz, diese Trauer
und Verzweiflung zulassen konnte.
Und ich weiß,
dass diese bitteren Tränen
ein ganz, ganz großer Schritt nach vorne
in meiner Heilungsgeschichte waren…

 

Danke, Simone!

ls



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