Ich mach Dir einen Vorschlag...

...und zwar möchte ich Dir vorschlagen, Dich einmal auf meine Sichtweise einzulassen und zu versuchen, die Dinge mit meinen Augen zu sehen. Wenn Dir diese Sichtweise nicht behagen sollte, kannst Du nach dem Lesen gerne wieder zu Deiner Sicht der Dinge zurückkehren. Für mich gibt es da kein Richtig oder Falsch, mir hilft diese Sicht der Dinge jedoch, mit meinem Leben und seinen Herausforderungen besser klarzukommen...

Für mich verbinden sich meine Seele, mein Körper und mein Geist zu einer einzigartigen Persönlichkeit. Sie vermischen sich, verbinden sich und sind miteinander verwoben, unzertrennbar. Ein Teil kann ohne die anderen nicht existieren. Geht es der Seele nicht gut, nimmt sie Körper und Geist zuhilfe, um sich darin auszudrücken. Gibt es einen ungelösten Konflikt in meiner Seele, spiegelt er sich an irgendeiner Stelle in meinem Körper wieder, sei es als Schmerz, Erkrankung oder Behinderung. Und umgekehrt genauso: Jede körperliche und geistige Befindlichkeit spiegelt sich auch in meiner Seele wieder. Also kann ich auch sagen: Jede Erkrankung, jede Behinderung, jedes körperliche Wehwechen ist Ausdruck eines seelischen Konfliktes, einer inneren (An-) Spannung. Für mich haben alle körperlichen Befindlichkeiten einen seelischen Ursprung, ein seelisches Pendant, sie machen und haben einen Sinn, wollen mir zeigen, an welcher Stelle ich in meinem Leben arbeiten muss, etwas verändern muss, egal, ob ich eine Erkältung nehme oder mein Tourette-Syndrom, egal, ob es um einen blauen Fleck geht oder eine Querschnittlähmung.

Ich glaube zum Beispiel nicht mehr - wie sonst so viele Tourette-Betroffene und ihre Familien - dass diese neurologische Erkrankung entweder aus "heiterem Himmel", oder aber aufgrund einer genetischen Disposition und ausgelöst durch ein massives Neurotransmitter-Ungleichgewicht in den Basalganglien daherkommt. Das sind sicherlich Faktoren, die dabei mitspielen, aber das reicht mir nicht. Für mich gibt es Gründe, Hintergründe und Ursachen dafür, dass sich diese genetische Veranlagung bei mir ausgeprägt hat, dass die Neurotransmitter in meinem Gehirn in anderer Verteilung vorliegen, als bei anderen Menschen. Für mich gibt es keine Zufälle. Alles macht einen Sinn, hat einen Ursprung.

Gelingt es mir, den ursprünglichen Konflikt zu erkennen und ausreichend zu bearbeiten, verschwinden vermutlich auch die Symptome. Das ist bei einem Schnupfen (bei dem ich die Nase von etwas voll habe) oder Durchfall mit Schiss in der Hose (bei dem ich vor etwas große Angst habe) sicherlich einfacher, als bei meinem Tourette-Syndrom oder einer Querschnittlähmung, aber prinzipiell auch denkbar. Viele Krankheiten haben eine "eigene" Dynamik und manifestieren sich im Laufe des Lebens in einer Person, sodass es häufig  auch schwer bis unmöglich wird, in der verbleibenden Lebenszeit vollständig zu heilen. Aber ich glaube, dass es sich häufig lohnt, sich auf die Suche nach dem seelischen Ursprungskonflikt zu machen, auch wenn sich damit vielleicht nicht alle Symptome oder Einschränkungen beseitigen lassen, und sei es auch nur, um Schmerzen zu verringern, eine medikamentöse Dosis herabsetzen zu können oder besser mit den eigenen Einschränkungen zurecht zu kommen.

Erstaunlich ist für mich immer wieder, welches Wissen sich Menschen hierüber schon angeeignet haben, sei es in Büchern wie von Christiane Beerlandt oder Ruediger Dahlke (s.a. meinen Link "andere sichtweisen"), oder aber im allgemeinen Wissen der Bevölkerung, Wissen, das der Volksmund seit Jahrhunderten zum Beispiel in der Sprache von Generation zu Generation überliefert... Nachfolgend habe ich mal ein paar Ausdrücke mithilfe meiner Mutter und meiner Freundin Bribri zusammengetragen, in denen die ursprünglichen Bedeutungen gut erkennbar werden.

Der Volksmund tut Wahrheit kund,...

...und das nicht zu knapp! So stelle ich seit Jahren immer wieder fest, dass viele Befindlichkeiten und gesundheitliche Einschränkungen sich seit ewigen Zeiten im allgemeinen Sprachgebrauch widerspiegeln und wiederfinden. Und je öfter ich darüber nachdenke, umso mehr Beispiele finde ich dafür.

Wenn ich einen Schnupfen habe, dann kann ich natürlich zum Arzt rennen und mir je nach Erreger ein mehr oder weniger starkes Mittelchen verschreiben lassen. Ich kann mir aber auch einfach eine Auszeit nehmen (viele Befindlichkeiten signalisieren ja per se schon den Bedarf einer Auszeit), mein Immunsystem ankurbeln und mich fragen, von was ich gerade die Nase wieder tüchtig voll habe. Denn meine volle Schnupfennase sagt mir eigentlich immer: Ich habe von irgendetwas wieder mal die Nase voll!

Und wenn ich mir die Zeit nehme, herauszufinden, was das ist, und mir auch die Zeit gebe, diese körperliche Trotzreaktion zu erleben, dann heilt mein Schnupfen eigentlich immer ganz von selbst, ohne dass ich noch viel dazu tun müsste.

Ein weiteres wunderbares Beispiel für diese sprachlichen Pendants im Volksmund sind meine Kopfschmerzen: Wenigstens ab und zu gelingt es mir, sie wieder loszuwerden, wenn ich mich frage, um was ich mir wieder mal einen Kopf mache, bzw. worüber ich mir wieder den Kopf zerbreche.

Vor zwei Jahren machte ich Urlaub bei meinem Freund Andi in Österreich. Ich bekam plötzlich furchtbaren Durchfall, und zwar tagelang. Die Haut an meinem Po war schon völlig wund vom vielen Poabwischen. Am vierten oder fünften Tag machte ich mir plötzlich klar, dass ich vor etwas unheimlichen Schiss hatte, Schiss in der Hose, eine Scheiß-Angst quasi (vergleiche hierzu auch die Begriffe "Hosenscheißer" und "die Hosen voll haben"). Als ich merkte, dass meine Angst meiner beruflichen Rückkehr nach 6 Wochen Depression und Krankheitsphase galt, und ich nicht wusste, wie ich auf der Arbeit klar kommen würde, war der Durchfall innerhalb von wenigen Stunden verschwunden. Ich hatte zwar dafür immer noch keine Lösung, aber ich konnte meine Angst begreifen und äußern.

Andere Beispiele für volkstümliche Redewendungen, in denen sich körperliche und / oder seelische Befindlichkeiten wiederspiegeln, sind:

  • Mir ist was auf den Magen geschlagen / mir dreht sich der Magen um vor lauter...
  • Das geht mir an die Nieren (etwas beschäftigt mich, tut mir gar nicht gut)
  • Ich habe die Schnauze voll / Ich habe die Nase voll (bei Schnupfen)
  • sich erkälten / verkühlen (beim Bedürfnis nach Wärme, Nähe und Geborgenheit)
  • Ich kann das nicht mehr er-tragen / Das be-lastet mich sehr (zum Beispiel bei Rücken- und Wirbelsäulen-Schmerzen; manche Menschen bekommen sogar einen Buckel aufgrund lebenslanger Belastungen oder gehen im Alter sehr gebeugt)
  • Mir läuft die Galle über (bei großem Ärger)
  • Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen (ich bin beleidigt)
  • ich kann ihn nicht mehr sehen (er nervt mich)
  • Ich kann ihn nicht riechen (ich mag ihn nicht / kann seine Gegenwart nicht mehr ertragen)
  • Ich kann es nicht mehr hören (Widerwille, etwas Bestimmtes wieder (an)hören zu müssen)
  • Mir vergeht Hören und Sehen (Unmöglichkeit, etwas noch länger mit anzuhören oder mit anzusehen)
  • vor Schreck erstarren (zum Beispiel in Form von Lähmungen und Spastiken)
  • Ich finde das zum Kotzen (mir wird schlecht / übel, wenn ich an etwas denke, ich habe große Wut oder großen Ärger auf etwas)
  • Das geht mir auf den Sack (mich ärgert oder nervt etwas)
  • Das stößt mir übel auf (ich bin empört über etwas, etwas stört mich sehr)
  • Es verschlägt mir die Stimme / die Sprache zum Beispiel bei Husten oder auch Mutismus (bei Schrecken, Entsetzen oder traumatischen Erlebnissen)
  • Mir platzt der Kragen (ich bin wütend und kriege keine Luft mehr)
  • Ich hab soo'n Hals (mein Hals ist dick vor Ärger)
  • Ich hab einen Kloß im Hals (ich habe große Angst und kann (deswegen) nicht mehr sprechen oder schlucken)
  • Das schnürt mir die Kehle zu / die Luft ab / alles ab (ich kann vor Angst nicht mehr atmen)
  • Das bricht mir das Herz (etwas macht mich sehr traurig, zum Beispiel bei Beziehungsverlust)
  • Ich habe Herzschmerzen / Herzklopfen (bei Liebeskummer, Angst oder Anspannung)
  • Das Herz schlägt mir bis zum Hals (vorwiegend bei Angst und Anspannung)
  • Sich die Finger verbrennen (bei Einmischung in die Angelegenheiten anderer)
  • Kalte Füße kriegen (Angst haben / kriegen, sich zurückziehen)
  • Das geht mir auf die Nerven (etwas belastet das Nervenkostüm, nervt oder macht unruhig)
  • Das schlägt mir auf's Gemüt (etwas belastet die Seele / macht schlechte Stimmung)
  • In die Knie gehen ((demütig) eine Niederlage erleiden)
  • Etwas über's Knie brechen (etwas unbedingt durchsetzen wollen)
  • Veitstanz (als alter Begriff für Chorea Huntington, bei der die Betroffenen im späteren Stadium stark zucken, was wohl früher an eine Art "Tanz" erinnerte)

Diese Liste lässt sich wahrscheinlich noch lange fortsetzen; unzählig erscheinen mir die Begrifflichkeiten, mit denen Menschen bereits vor Jahrhunderten Befindlichkeiten, Krankheiten und Gebrechen beschrieben haben. Für mich verbirgt sich darin viel Weisheit und Wahrheit, die ich mir noch heute zueigen machen kann. Ich versuche zumindest, dieses Wissen um körperliche, seelische und geistige Zusammenhänge mehr und mehr zu nutzen und das Buch von Christiane Beerlandt geht einen ähnlichen Weg und ermutigt mich ebenso dazu.