Meine Texte zum Nachlesen:

Existenziell

Ich sitze hier,
nachts um halb vier,
und denke so vor mich hin:
Macht das alles einen Sinn?
Habe das Gefühl,
ich darf mal wieder nicht sein,
so sein,
so sein, wie ich bin,
mit mir, mit allem,
mit meinen Themen,
mit allem, was mich ausmacht,
ich werde verboten,
mundtot gemacht,
ich bin zu gefährlich,
zu bedrohlich,
versetze Menschen mit meinen Erfahrungen
in Angst und Schrecken.
Als ob ich sie mir ausgesucht hätte!
Mitnichten!
Ich bekam sie übergestülpt,
wie alles andere auch,
wie die Gewalt selbst,
die diese Erfahrungen ausmacht.
Schreckliche, zerstörerische Gewalt,
die sich um mich gelegt hat,
wie ein totes Tuch.

Und ich fühle mich ohnmächtig,
benommen,
ja, fast schon taub vor Wut,
kriege keine Luft mehr,
habe das Gefühl, zu ersticken,
wie damals,
die Gewalt wiederholt sich,
nur viel subtiler,
kaum merklich,
schleicht sie sich von hinten an,
um dann im entscheidenden Moment
von hinten nach vorne
durch die Brust zuzustechen,
heimtückisch und unbarmherzig,
quasi gnadenlos,
kein Aufbäumen duldend.

Die Gewalt, mit der das Thema Gewalt
wieder unterdrückt wird,
erinnert mich nicht nur an die Ursprungsgewalt,
sondern auch daran,
wie diese Gewalt
schon damals verschleiert wurde,
eine doppelte Wiederholung sozusagen.
Kein Wunder, dass ich eine Stinkwut
im Bauch habe,
Zerstörungsimpulse machen sich breit,
ich sehne mich nach Scherben.

Sie wollen nicht hinsehen,
es ist „bäh“,
es macht ihnen Angst,
man spricht nicht darüber,
klar, es ist verdammt unangenehm,
aber wie gesagt:
Ich habe es mir auch nicht ausgesucht,
ich muss damit leben, verdammt noch mal!
Nicht nur mit der erfahrenen Gewalt,
sondern auch mit diesem Lebensthema,
damit ich lernen kann,
mit dieser Gewalterfahrung zu leben.
Das ist für mich existenziell.

ls



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