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Meine Texte zum Nachlesen:

Ambivalenz oder: Eine Seite in mir


Meine Gedanken schwirren,
kriege keinen klaren Kopf,
vielleicht sollte ich einen Klaren trinken,
oder zwei?
Oder lieber doch nicht!
Ich drehe mich um mich selbst,
Susanne, mein Vater, mein schwules Drittel,
wie ich es gerne nenne,
mein inneres Kind,
wird es jemals heilen?
Ich glaube schon, ich muss einfach daran glauben,
sonst würde ich verrückt werden…
Es braucht viel Zeit, und es nimmt sie sich,
und das ist gut so…
Ich weiß, dass es gut ist,
dass es sein Heilwerden richtig macht,
und ich helfe ihm dabei,
nur nichts überstürzen…
Die Zeit heilt viele Wunden,
vielleicht auch diese!?
Ich kenne so viele, die diesen Weg mit mir gehen,
und es tut gut, zu wissen,
dass ich nicht alleine bin…
Mein schwules Drittel sucht einen Mann,
mit dem ich zärtlich sein kann,
und vielleicht sucht es auch einen
liebenden Vater, einen Vater,
den ich nur selten hatte,
zu groß waren die Schmerzen,
und die Angst vor neuen Schmerzen…
Vielleicht war mein Bruder meine Rettung,
wer weiß!?
Vielleicht auch nicht…
Ich kann mich an so wenig erinnern,
manchmal, da möchte ich wissen,
was alles war,
und manchmal, da bin ich froh,
dass ich so wenig weiß,
verdammte Ambivalenz!
Das scheint überhaupt das Zauberwort zu sein:
Ambivalenz!
Liebes- und Hassgefühle gegenüber meinem Vater,
Sehnsuchts- und Angstgefühle gegenüber Männern,
Zärtlichkeits- und Dominanzwünsche gegenüber Frauen…
Lust- und Leidgefühle zur selben Zeit,
im selben Moment,
ein Teufelskreis, den ich zu akzeptieren habe,
den ich annehmen will, um mit ihm leben zu können,
manchmal fällt es einfach schwer,
meine Sexualität – ein Haufen Schutt?
Oder ein Schutthaufen?
Schrille Gedanken kommen und gehen /
mir auf den Keks,
kann meine Gefühle und Gedanken
nicht immer einordnen,
möchte zerstören und heilen,
mich zerstören und mich heilen,
habe mich jahrzehntelang zerstört,
jetzt möchte ich heilen!
Ambivalente Gedanken kreisen um meine Sexualität –
möchte anderen gegenüber zärtlich sein
und sie gleichzeitig unterwerfen, dominieren,
möchte selbst auch zärtlich behandelt
und gleichzeitig dominiert werden,
ewige Ambivalenz des Fleisches und des Geistes,
musste passiv sein, um zu überleben,
lust- und grauenvoll zugleich,
heute müssen andere passiv sein,
damit meine Sexualität überlebt,
lust- und grauenvoll zugleich,
eine Verknüpfung, die ich nie wollte,
die mir aufgezwungen wurde,
wie meine Lustgefühle während des Grauens,
heute weiß ich darum,
heute weiß ich, was war…
Trotzdem fällt es mir oft schwer,
das Gewesene zu akzeptieren und weiß doch,
dass ich mich so annehmen muss, will und kann,
wie ich bin,
denn ich weiß: Dies ist nur eine Seite in mir…

ls.

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