Meine Texte zum Nachlesen:

Tantrischer Nachmittag


Wir sitzen zu sechst im großen Raum
und lassen uns auf uns ein,
gemeinsam, behutsam.
In der Mitte eine schöne Decke,
die zum Träumen einlädt.
Es ist tantrischer Nachmittag.
Ich bin ohne Erwartungen hier
und freue mich
auf die kommenden Stunden.
Ruhe, Entspannung erwarten mich.
Ich weiß nur, was ich nicht will.
Das ist gut, denke ich.
Auf dem Sofa kuschelt sich
ein Mann an eine Frau.
Sie kuschelt zurück.
Ich wünsche mich an ihre rechte Seite.
Sehne mich nach Nähe.
Langsam nehmen erste Körper
die Mitte des Raumes ein,
betten sich genüsslich auf die Decken.
Mehr und mehr Frauen und Männer
gesellen sich zu ihnen.
Auf einmal bin auch ich dabei.
Fühle mich wohl und geborgen.
Möchte nicht mehr weg.
Es fühlt sich gut an.
Keine Konkurrenz, kein Neid,
alle sagen, was sie brauchen und sich wünschen.
Ein Mann möchte einfach ausruhen
und etwas schlafen.
Ein anderer möchte zwischen zwei Frauen liegen
und an der rechten Brust der einen saugen.
Keine falsche Scham, keine Peinlichkeiten
oder Verlegenheiten im Raum –
alles wird möglich.
Alles wird gut.
Wir kuscheln miteinander –
aber nicht um die Wette, eher so,
wie bei einer Mini-Kuschelparty.
Wesen wiegen,
Leiber liegen,
Körper schmiegen –
sich aneinander und berühren sich,
jede Menge Hautkontakt,
eng an eng,
wir sind ein menschliches
Woll-Lust-Knäuel,
Regung und Erregung
genauso wie Spannung und Entspannung
im Raum.
Auf einmal zieht mir eine Frau
meine Wickelhose aus, – und ich?
Ich habe nichts dagegen,
als wäre es das Selbstverständlichste
auf der Welt.
Und wer weiß?
Vielleicht ist es das ja auch…
Ich fühle mich immer noch wohl,
streichele und werde gestreichelt,
mein Atem geht,
meine Haut spürt,
mein Herz schlägt –
ganz ruhig,
habe mich selten so entspannt gefühlt,
ja, geborgen,
und wünsche mir,
es könnte immer so weitergehen,
wünsche mir,
vor lauter Lust dahin zu schmelzen,
zu zerfließen…

ls.

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