Meine Texte zum Nachlesen:

Sprache der Seele


Foto: Hier schreibe ich mit Feder und Tinte einen Text in ein leeres Buch.Unsere Seele spricht mit uns.
Sie hat eine eigene Sprache.
Sie sendet uns Botschaften:
jede Sekunde, Minute, jeden Tag, ein Leben lang.
Sie spricht mit uns, zu uns.
Sie teilt uns mit, was sie braucht, was wir brauchen.
Unsere Seele spricht mit unserer Stimmung
und unserem Körper:
Symptome und Befindlichkeiten
sind die Sprache der Seele.
Foto: Ich spiele mit meinem Bruder und einem Freund am Strand in Indien.Geht es der Seele gut, fühlen wir uns wohl,
geht es ihr nicht gut, spricht sie mit uns:
Es geht uns schlecht.
Wenn wir nicht auf unsere Seele,
unsere innere Stimme hören,
sendet sie stärkere Signale – an unseren Körper:
Schmerzen, körperliche und seelische Erkrankungen,
Unfälle, Behinderungen.
Wer nicht hören will, muss fühlen, fällt mir dazu ein.
Je länger wir diese Botschaften ignorieren,
umso stärker werden die Symptome.

Foto: Hier drücke ich meinen Arm zwanghaft an meinen Kopf.Symptome sind Lösungsversuche,
sagte einst ein Professor zu mir. Er hat Recht.
Symptome sind die Sprache der Seele.
Viele Menschen ignorieren die Sprache der Seele.
Sie wollen sie nicht hören, wollen nicht hören,
was sie zu sagen hat,
weder die eigene Seele, noch die Seelen der anderen.
Sie hören nicht zu, sind überfordert und ungeduldig.

Zeichnung: Eine Frau sitzt am Boden und hat den Kopf in den Schoß versenkt.Die Menschen hören sich nicht mehr zu.
Sie werden krank und rennen zu Ärzten.
Ärzte haben keine Zeit. Sie sind oft ratlos.
Sie hören ebenfalls nicht zu.
Sie verschreiben uns Medikamente, beruhigen uns.
Sie sind selbst hilflos.
Ihre Hilflosigkeit verstecken sie hinter Rezepten.
Sie sind die Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie.
Diese Industrie kann existieren,
weil wir einander nicht mehr zuhören wollen.
Foto: Hier siehst du die 6 Medikamente, die ich nehme.Pharmakonzerne produzieren Medikamente,
Ärzte verschreiben uns Medikamente,
wir nehmen Medikamente.
Sie bringen uns zum Schweigen,
„lindern“ unsere Symptome,
nehmen uns die Sprache unserer Seele.

Unsere Seelen teilen sich mit,
wenn etwas nicht stimmt.
Manchmal schreien sie sogar.
Foto: Hier schreie ich mit weit aufgerissenem Mund.Sie stillen uns mit Medikamenten,
weil sie die Auf-Schreie unserer Seelen nicht hören wollen.
Babyschreie werden akzeptiert;
die Schreie von Kindern, jugendlichen und erwachsenen
verletzten Seelen dagegen nicht.
Babyschreie werden mit Liebe, Nähe, Zuwendung,
Zärtlichkeit und Muttermilch gestillt;
die Schreie von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
werden mit Medikamenten und Psychiatrie gestillt.
Wir müssen schweigen, uns wird der Mund verboten,
die Seele zum Schweigen gebracht.
Ihr wollt uns nicht zuhören,
nichts wissen von unserem Schmerz.
Es gibt Millionen verletzter Seelen
und niemand hört mehr zu.

Bild: Eine Frau liegt nackt und gebrochen am Boden.Unsere Seelen erzählen auf ihre Weise
von Einsamkeit, Schmerz, Verletzungen, Demütigungen,
Alleinsein und Alleingelassen-Werden,
von körperlicher und seelischer Gewalt,
von sexuellem Missbrauch, Misshandlungen,
Ausbeutung und Vergewaltigungen,
von Ausgenutzt- und Benutzt-Werden,
von Gehorchen- und Funktionieren-Müssen
von Vernachlässigung, Armut, Flucht, Vertreibung,
von Schlägen, Folter und Mord.
Solange diese Verletzungen passieren,
werden unsere Seelen schreien.

Und Euch fällt nichts Besseres ein,
als uns mit Medikamenten zum Schweigen zu bringen…
Klar, das ist der einfachere Weg, der bequemere Weg,
der Weg, bei dem man leichter wegschauen kann, so,
wie all die Ärzte und Pharmazeuten.
Sie schauen weg, sie verschreiben uns lieber was,
als sich Zeit zu nehmen und zuzuhören.
Foto: Ich schreie und halte mir gleichzeitig die Ohren zu.Sie können unsere Schmerzen, unsere verletzten Seelen
mit all ihren Wunden, nicht aushalten, nicht länger ertragen,
wohl auch deshalb nicht, weil sie sich sonst
mit ihrem eigenen, selbst erlebten Schmerz
und ihrer eigenen Ohnmacht in dieser Gesellschaft
konfrontieren müssten.
Vielleicht müssten sie sich sonst fragen,
was sie da eigentlich tun.
Alle Menschen müssen sich das fragen.

Was tun wir uns gegenseitig an?
Und was tun wir unseren Kindern an?
Wo schauen wir überall weg?
Wer hält es heute noch aus,
wenn ein Erwachsener mal den Mut hat,
hemmungslos zu weinen? Oder zu schreien?
Foto: Hier brülle ich meinen Schmerz heraus.Ich schreie täglich, stündlich,
manchmal alle paar Sekunden,
schreie mir die Seele aus dem Leib,
schreie meinen Schmerz heraus,
teile das Grauen, das mir widerfahren ist, lautstark mit.
Aber niemand will das hören!
Im Gegenteil: Ich bin ein Störfaktor, ein Störenfried,
Foto: Hier halte ich noch mal meine Medikamente in die Kamera.der Verrückte aus dem vierten Stock.
Und auch ich nehme Medikamente,
und das nicht zu knapp.
Wer teilt meinen Schmerz?
Wer will von meiner Geschichte,
von meiner Vergangenheit hören?
Die wenigsten sind dazu bereit.

Bild: Zwei Menschen, die sich küssen.Im Grunde brauche auch ich
Liebe, Nähe, Wärme, Zuwendung, Zärtlichkeit.
Ich brauche Vertrauen, Geborgenheit,
Zweisamkeit statt Einsamkeit,
ein offenes Herz und offene Ohren,
Menschen, die mir zuhören, anstatt mir zu sagen,
wie gut sie es finden, dass ich meine chronische Erkrankung,
das Tourette-Syndrom, so gut „im Griff habe“.
Eigentlich haben sie mich im Griff, im Würgegriff –
ihrer Ignoranz und Intoleranz, ihres Unverständnisses,
ihrer Abwesenheit und Unerreichbarkeit,
ihres Weghörens und Wegsehens.

Bild: Eine Frau mit verbittertem Gesichtsausdruck.Eine Überlebende von sexuellem Missbrauch
sagte einmal: „Manchmal, da wünsche ich mir,
dass sie mich mal fragen, wie ich damit lebe!“
Ja, diese Gedanken kenne ich auch,
denke ich dann immer wieder.
Wir leben mehr und mehr in einer Drei-Affen-Gesellschaft:
Nicht hinsehen, nicht zuhören, nichts sagen!
Sprachlosigkeit, wo ich hinschaue.
Als ob sich die Menschen nichts mehr zu sagen hätten,
dabei ist das Gegenteil der Fall!

Ich hoffe und wünsche mir,
dass mir die Worte niemals ausgehen werden,
Bild: Zwei Menschen sitzen auf einer Bank und erzählen sich was.dass ich niemals sprachlos werde.
Sich um jemanden zu kümmern bedeutet auch,
zuzuhören und seinen Kummer zu teilen.
Sich mitteilen heißt eben auch,
etwas mit jemandem zu teilen.
Es heißt nicht umsonst: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
In diesem Sinne wünsche ich mir,
dass die Seelen der Menschen nie verstummen werden
und es auch immer Menschen geben wird,
die bereit sind, sich und anderen zuzuhören
und der Sprache der Seele
ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken…

ls.

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