Meine Texte zum Nachlesen:

Sanfte Melancholie


Sanfte Melancholie, ist es das, was ich verspüre? Meine Stimmung, seltsam, seltsam gemischt, Trauer, nein, leichte Traurigkeit – bei brasilianischer Musik, Bilder des Amazonas, die Fahrt in einem Boot, Nebel verhüllte Seitenarme, stickig-feuchte Luft, wie die Traurigkeit, die mir wie ein Kloß im Hals sitzt, Melancholie im Schein des Halbmonds, ein eigenartiges Gefühl von Glück und Geborgenheit beschleicht mich, so, als ob ich einfach in keinen endlosen, schwarzen Tunnel fallen kann, als dürfe es mir jetzt einfach gutgehen, fast schon ungewohnt, dieses Gefühl, befremdlich und doch vertraut, wie auch die Musik aus Ägypten, die gerade spielt, Musik aus aller Welt, Grüße von Menschen an Menschen, an alle, die sich gerne grüßen lassen, von denen grüßen lassen, die sie gerne grüßen möchten, die ihnen etwas erzählen möchten, von sich, ihrem Leben, ihrem Land, ihren Gefühlen, meinen Gefühlen, ...meinen Gefühlen? Auch meinen Gefühlen, ja, sie berühren mich, meine Gefühle, und ich fühle, was sie mir sagen wollen, fühle mich und meine sanfte Melancholie, ja, sie ist da und hat ihren Platz – der Mond, ich sehe ihn noch immer, seine rechte Hälfte, und weiß, dass ich wieder schlecht schlafen werde, wenn bald seine andere Hälfte bei ihm ist, um ihn dann wieder zu verlassen, er muss sich einsam fühlen, da oben, vielleicht fühlt er wie ich, ich fühle mich auch einsam, nicht verlassen, aber einsam, sehne mich nach einem warmen Bauch, nach Haut – Du auch, Mond? – Weißt Du, es gibt da oben bei Dir mehr Monde als Menschen bei uns auf der Erde – aber manchmal, glaube ich, sind sie für Dich ebenso unerreichbar, und das macht mich traurig, denn ich kenne diese Sehnsucht, die Dich zu zerreißen droht, bis Du sie durchlebst, und dann, wenn es vorüber ist, ist sie wieder da, diese sanfte, sanfte Melancholie, die mich gefangen hält, von der ich mich gefangen nehmen lasse, davon treibe, um mich davon treiben zu lassen...

ls.

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