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Meine Texte zum Nachlesen:

Meine Familie, Teil III: Alte Gefühle


Gefühle werden wach,
Gefühle vergangener Generationen
fließen in mich ein,
alte, uralte Gefühle machen sich in mir breit,
suchen sich meinen Körper und meine Seele,
meine Ururgroßmutter fühlte sich schon
einsam und verloren,
weil ihr Mann sie vergewaltigte,
sie konnte mit niemandem reden,
ihr Kummer hatte nirgends Platz
und fand den Weg zu ihrer Tochter,
auch sie fühlte sich allein gelassen
und auf verlorenem Posten in ihrer Welt,
sie gab schließlich dieses Gefühl an mich weiter,
bei mir war es allerdings nicht der Missbrauch,
der dieses Gefühl erzeugte,
denn neben meinem zerstörerischen Vater
hatte ich eine liebende und fürsorgliche Mutter,
die mich am Leben hielt.
Bei mir waren es mit neun Jahren
die Angst und Unsicherheit
während des Putsches in Afghanistan,
die mich erzittern ließen,
und mit dreizehn Jahren
die Hänseleien und Nachäffereien der Klassenkameraden
und der Marx-Brothers unter den Gleichaltrigen.
Ja, da habe ich mich in der Tat
einsam und verlassen gefühlt,
einsam und verlassen,
traurig und verloren, elendig –
hatte keine Worte und keine Sprache für das,
was in mir war,
keinen Trost durch meine Eltern
oder meinen Bruder –
einfach große Einsamkeit,
die sich in mir breit machte.
Dann, mit neunzehn,
die nächste große Einsamkeit, Verlorenheit:
Trotz intensiver Gefühle für Anke und Marianne
keine Chance auf eine erfüllte Liebe,
weit und breit keine Freundin in Sicht,
dafür Abitur mit Abstrichen,
der Intellekt dürstet nach einer Zweikommanull,
das Gefühl hungert nach der ersten zarten Liebe.
Was für eine Diskrepanz!
Das Leben kann manchmal hart sein…
und ist es auch.

Eine Linie verlorener Mütter,
die sich unter Auslassung meiner Oma
und meiner Mutter bis zu mir fortsetzt.
Die Einsamkeit und Verlorenheit
finden sich in mir wieder,
wenn auch aus überwiegend anderen Gründen.
Und auch die einst erlebte Gewalt
im häuslichen Bereich
findet sich bei mir wieder.
Sie führt bei mir allerdings mehr zur Wut,
als zur Verlorenheit
und kommt aus der Linie meines Vaters.
Bin schon jetzt neugierig darauf,
wie ich dieses Erbe meistern werde.
Wenn ich daran zerbrochen wäre,
dann wäre das längst passiert.
Aber ich bin stark und ich weiß,
dass mich die Erfahrungen
dieser drei psycho-kinesiologischen Behandlungen
noch stärker machen werden.
Mein Körper weiß Bescheid.
Er weiß es einfach, einfach genial – mein Körper.
Er weiß auch, dass es im Moment Sinn macht,
den Missbrauch ruhen zu lassen,
nicht zu vergessen, nicht zu verdrängen,
aber ausruhen zu lassen.
Es tut gut, mich in einem so weisen Körper zu wissen.
Es nährt mein Urvertrauen,
ich kann mich wieder sicher fühlen.
Viele Dinge in meinem Leben
waren sehr schlimm,
aber bisweilen verlieren sie auch ihre Dramatik
und weichen einer endlosen Ruhe und Gelassenheit,
ja, geradezu einem inneren Frieden.
Ja, mein Körper und mein innerer Frieden…
Während mein Körper eines Tages verblassen wird,
wird mein innerer Frieden
vielleicht Unsterblichkeit erlangen…

ls.

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